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07.12.2015

Kinder vor Brandverletzungen schützen

Bethanien-Kinderärzte zum bundesweiten Tag des brandverletzten Kindes am 7. Dezember: "In der Weihnachtszeit lauern viele Gefahren"

Tischdecken, die mitsamt heißen Getränken auf der Kaffeetafel heruntergezogen werden oder Kabel von Wasserkochern, die an der Arbeitsfläche in der Küche herunterhängen - dies sind ernste Gefahren für Verbrühungen bei Kindern, der häufigsten Unfallfolge für Brandverletzungen im Kindesalter. Zum bundesweiten Tag des Brandverletzten Kindes am 7. Dezember erklären Ärzte des Bethanien-Krankenhauses gemeinsam mit Paulinchen-Initiative für brandverletzte Kinder e.V., worauf Eltern achten müssen: "Besonders in der Weihnachtszeit können Kinder vielfältige Verbrennungen und Verbrühungen erleiden", so Astrid Hielscher vom Verein Paulinchen, der den Tag des brandverletzten Kindes initiiert hat. Die Essenerin engagiert sich ehrenamtlich in dem Verein und behandelt als Physiotherapeutin selbst immer wieder Kinder mit Brandverletzungen. In der Kinderklinik Bethanien in Moers traf sie nun deren Chefarzt Dr. Michael Wallot und Prof. Dr. Robert Hierner, der in Bethanien als plastischer Chirurg immer wieder Kinder mit Brandverletzungen behandelt.

Bereits eine Tasse heißer Kaffee oder Tee kann bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche eines Säuglings oder Kleinkindes verbrühen. In jedem Jahr erleiden etwa 31.500 Kinder in Deutschland thermische Verletzungen. 6.000 dieser Kinder müssen stationär, ca. 1.500 davon sogar in Spezialkliniken behandelt werden. Brandverletzungen bedeuten für die betroffenen Kinder starke Schmerzen und zahlreiche Operationen. Die Kinder müssen oft wochenlang im Krankenhaus verbringen, benötigen monatelange Therapien und sind lebenslang von Narben gezeichnet. Ganz wichtig ist die Prävention. Wenn Kinder im Haushalt sind, sollte man Gefahrenquellen rechtzeitig sichern. Zu den klassischen Situationen in der Weihnachtszeit sagt Astrid Hielscher: "Kinder sollte man nie mit brennenden Kerzen alleine lassen. Und Wunderkerzen gehören nicht in Kinderhände, leicht können die Funken die Kleidung entzünden.“ Auf Kerzen am Weihnachtsbaum sollte man verzichten, solange die Kinder klein sind. „Sicherer sind Lichterketten, die mit einem GS-Zeichen und einem VDE-Prüfsiegel versehen sind.“

Etwa fünfzig Kinder mit thermischen Verletzungen werden in der Kinderklinik Bethanien jedes Jahr behandelt. "Das sind meist Kinder mit Verbrühungen", sagt der Leitende Kinderarzt Dr. Wallot. "Kinder mit schweren Verbrennungen werden grundsätzlich in Spezialzentren behandelt." Bei der Therapie stehe direkt nach einem Unfall vor allem die Schmerztherapie im Vordergrund. Die Behandlung der Wunden und Narben dauere dann sehr lange. "Um die Narbenbildung in Grenzen zu halten, müssen die Kinder monatelang maßangefertigte Kompressionsverbände tragen. Sobald es zu Bewegungseinschränkungen durch Narbenzüge kommt, müssen zudem die Narben operativ korrigiert werden, weil sie das Wachstum des Kindes einschränken können." Durch Brandnarben kann es zu richtigen Fehlstellungen des Körpers kommen. "Hier gilt es, rechtzeitig einzuschreiten, weil durch Narben verursachte manche Fehlstellungen nicht mehr korrigiert werden können, wenn sie erst einmal entstanden sind", sagt der plastische Chirurg Prof. Dr. Robert Hierner.

Was Eltern bei Verbrennungen und Verbrühungen tun können, sollten sie nicht nur am Tag des brandverletzten Kindes wissen: Bei Verbrühungen sollte dem Kind die Kleidung entfernt und die betroffenen Stellen maximal 15 Minuten mit etwa Wasser gekühlt werden. "Das Wasser zum Kühlen sollte etwa 20 Grad haben, bitte auf keinen Fall Eis oder eiskaltes Wasser verwenden ", betonen die Ärzte. Bei Verbrennungen sollte auf die gleiche Weise maximal 15 Minuten gekühlt, die Kleidung aber auf keinen Fall entfernt werden, denn sie könnte mit der Haut verschmolzen sein. Durch das Entfernen der Kleidung können die Verletzungen noch größer werden. Wichtig ist, nur die verletzten Stellen zu Kühlen, damit es nicht zu einer Unterkühlung kommt. Auf keinen Fall sollte man Hausmittel wie Salbe oder gar Zahnpasta auf die Wunden geben. "Das ist Volksmedizin, die alles nur noch schlimmer macht. Wir Ärzte müssen die Wunde sofort sehen können, wenn ein verletztes Kind zu uns kommt", so die beiden Bethanien-Ärzte.

Für die Weihnachtszeit hat Paulinchen-Ehrenamtlerin Astrid Hielscher diese Tipps: "Gehen Sie als Eltern immer mit gutem Vorbild voran. Denken Sie daran, Verbote machen Kinder neugierig. Üben Sie mit Ihrem Kind, wie man eine Kerze sicher anzündet. Schützen Sie heiße Flächen wie an Kaminöfen, damit Ihr Kind nicht an die Scheibe fassen kann."

INFO
„Verbrannt, verbrüht – was tun?“ ist das Motto des diesjährigen Aktionstages für das brandverletzte Kind, der am 7. Dezember bundesweit von "Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder" initiiert und ausgerichtet wird. Der Verein berät und begleitet Familien mit brandverletzten Kindern in jeder Phase nach dem Unfall. Ziel ist es, für jedes brandverletzte Kind individuell die bestmögliche Versorgung zu erreichen. Mit verschiedenen Präventionskampagnen warnt Paulinchen e.V. vor den Gefahren durch heiße Flüssigkeiten und Flächen sowie Feuer, Strom und Säuren. Weitere Infos zum 7.12. im Internet unter www.tag-des-brandverletzten-Kindes.de und www.paulinchen.de

Mit diesem Kampagnenmotiv macht der Verein Paulinchen in diesem Jahr auf den bundesweiten Tag des brandverletzten Kindes am 7. Dezember aufmerksam (Foto: Paulinchen e.V.)
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