Ursachen und Formen von Harn- und Stuhl-Inkontinenz

Was sind die Ursachen für Harninkontinenz bei Frauen?

Die Ursachen für Blasenschwäche und Harninkontinenz sind vielfältig. Die Erschlaffung des Bindegewebes, eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur sowie die Senkung von Scheide, Gebärmutter und Blase können zu einer Blasen- und Beckenbodenschwäche führen. Zusätzliche Risikofaktoren sind Hormonmangel in den Wechseljahren, Übergewicht, schwere körperliche Arbeit sowie häufige und komplizierte Geburten.

Diese Faktoren können zu einer Dehnung oder auch zum Abriss der Haltebänder der Harnröhre führen. Das kann dann zu einem schwachen Verschlussmechanismus der Harnblase führen, der sich bei der ärztlichen Untersuchung als Belastungsinkontinenz darstellt.

Eine vergrößerte Gebärmutter, Hormonschwäche, starkes Rauchen, Harnblaseninfektionen oder Infektionen im Genitalbereich können hingegen Ursache für eine Dranginkontinenz sein. Dabei besteht kein zu schwacher, sondern ein überaktiver Harnblasenmuskel.

Welche Formen der Harninkontinenz gibt es?

Es werden Belastungsinkontinenz (= Stressinkontinenz) und Dranginkontinenz (= Reizblase oder übernervöse Blase) unterscheiden. Es kommen auch Kombinationen aus beiden Formen vor, welche dann als Mischkontinenz bezeichnet wird.

Belastungsinkontinenz
Mit 50 Prozent aller Fälle von Blasenschwäche ist dies die häufigste Form der weiblichen Inkontinenz. Betroffene verlieren Urin, wenn eine Erhöhung des Drucks auf den Bauchraum eintritt, beim Anspannen der Bauchmuskeln. Die geschieht zum Beispiel beim Husten, Niesen, Lachen, Joggen, Heben und bei fortgeschrittender Erkrankung auch beim Treppensteigen oder beim Aufstehen aus dem Bett. Typischerweise verliert man eher kleinere, das heißt portionierte Mengen an Urin.

Dranginkontinenz
Häufiger Harndrang, der nicht unterdrückt werden kann ("imperativer Harndrang") ist das Leitsymptom der Dranginkontinenz. Betroffene Frauen suchen überdurchschnittlich oft die Toilette auf, obwohl meist nur wenig Urin entleert wird. Oft geht schon Urin verloren, bevor die Toilette erreicht wird. Etwa 20 Prozent aller inkontinenten Frauen leiden unter einer Dranginkontinenz. Im fortgeschrittenen Stadium entleert sich teilweise die komplette Harnblase wie von selbst, so dass man sich umziehen muss.

Was ist Stuhlinkontinenz?

Stuhlinkontinenz entspricht der Unfähigkeit, Darminhalt willkürlich zu halten. Hier gibt es verschiedene Ausprägungen, je nachdem, ob Winde, flüssiger oder auch fester Stuhl abgehen. Stuhlinkontinenz wird oft aus Scham lange ertragen und kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Frauen sind häufiger betroffen, doch auch bei Männern kommt Stuhlinkontinenz vor.

Was sind die Ursachen für Stuhlinkontinenz?

Die Ursachen sind vielfältig. Am häufigsten sind Schließmuskel- oder auch Nervenverletzungen während des Geburtsaktes. Diese kommen oft erst im Alter zum Tragen, wenn der sich altersgemäß entwickelnde Gewebeumbau des Schließmuskels sowie eine Schwächung der bandartigen Haltestrukturen des Beckenbodens hinzukommen. Zudem können Operationen, Entzündungen oder Verletzungen im Bereich des Afters, stattgehabte Dickdarmteilentfernungen mit in der Folge aufgetretenen Sensibilitätsstörungen (Rezeptoren der Darmschleimhaut etc.), Nervenschädigung, Medikamente oder innere Erkrankungen ursächlich sein.

Was kann man tun bei Stuhlinkontinenz?

Zunächst einmal ist eine gründliche Erhebung der Beschwerden sowie eine Untersuchung des Afterbereiches sinnvoll. Zusätzlich sind oft die Messung der Schließmuskeltätigkeit sowie ein Ultraschall durch den After zur Darstellung der Muskulatur wichtig, um weitere Hinweise auf die Ursache der Inkontinenz zu erhalten.

Grundsätzlich ist bei Stuhlinkontinenz eine Ernährungsumstellung zur Eindickung des Stuhles, gegebenenfalls auch die Anwendung „stopfender“ Medikamente und das Training der vorhandenen Schließ- und Beckenbodenmuskulatur durch Beckenbodengymnastik und Biofeedback sinnvoll. Zudem gibt es, je nach Ursache der Inkontinenz, verschiedene operative Möglichkeiten. Hierunter fallen die Schließmuskelrekonstruktion, Muskel“ersatz“verfahren, die Implantation eines Schrittmachers (Sakrale Nervenstimulation), das Einbringen von Schließmuskel-unterfütternden Implantaten (Gatekeeper, Sphinkeeper) und in letzter Konsequenz die Anlage eines künstlichen Darmausganges.

Stuhlgang - Was ist normal? Wie soll er sein?

Medizinisch „normal“ ist ein Stuhlgang 3x täglich bis 3x pro Woche. Wichtiger als die Frequenz ist die Stuhlbeschaffenheit, die Konsistenz des Stuhlganges. Ist er zu hart, müssen Sie stark pressen. Geschieht dies regelmäßig, erhöht sich das Risiko, eine Hämorrhoidalerkrankung auszubilden oder z.B. eine Analfissur zu erleiden. Ebenso zu vermeiden ist Durchfall, da auch hierdurch anale Beschwerden ausgelöst und unterhalten werden können. Wünschenswert ist eine gut geformte Stuhlsäule, die man ohne zu pressen entleeren und auch problemlos halten kann.

Was kann ich für einen „guten Stuhlgang“ tun?

Um diese Art der Stuhlsäule zu erreichen, ist bei den meisten Menschen eine ballaststoffhaltige Ernährung mit 25-30g Ballaststoffen pro Tag (bei uns gängig sind eher 15g pro Tag) und das Trinken von etwa 2 Litern Flüssigkeit täglich hilfreich. Regelmäßige körperliche Aktivität ist außerdem für eine gute Verdauung unterstützend.

Was kann den Stuhlgang verändern?

Für Veränderungen des Stuhlverhaltens können verschiedenste Ursachen gefunden werden. Ändert sich Ihr Ernährungsverhalten bzw. die von Ihnen täglich aufgenommene Flüssigkeitsmenge, zum Beispiel während einer Diät, auf Reisen oder im Rahmen einer Schwangerschaft, ändert sich auch die Stuhlbeschaffenheit. Darmtumore werden häufig durch Wechsel von Durchfall und Verstopfung auffällig. Ebenso kann es medikamentös bedingt zu Veränderungen des Stuhlganges und insbesondere der Darmtätigkeit kommen. Hier sind beispielhaft Antidepressiva, Schmerzmittel, Entwässerungstabletten, Psychopharmaka oder die übermäßige Anwendung von Abführmitteln zu nennen. Des Weiteren können Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose oder ein Lupus erythematodes Darmträgheit bedingen. Auch Stress beeinflusst die Stuhlregulation. Sprichworte wie „aus Angst macht man sich in die Hose“ kommen nicht von ungefähr.