10.11.21

Mehr Infektionskrankheiten bei Kindern

Kontaktbeschränkungen durch vergangene Lockdowns stellen Immunsystem von Kindern in diesem Jahr vor große Aufgaben

Die Inzidenzwerte steigen derzeit bundesweit. Vor allem Kinder und Jugendliche bis 19 Jahren sind laut Statistik des Robert-Koch-Institutes (RKI) stark betroffen. Trotzdem waren bisher nur etwa ein Prozent der im Krankenhaus Bethanien stationär aufgenommenen Kinder und Jugendlichen Corona-positiv. „Die Hälfte der Kinder war aus anderen Gründen hier, etwa mit Knochenbrüchen. Nur wenige kamen wegen ihrer Corona-Infektion zu uns. Schwere Verläufe, wie wir sie von Erwachsenen kennen, waren die absolute Ausnahme“, berichtet der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Krankenhaus Bethanien Dr. Michael Wallot.

 

Was den Kinderarzt besorgt, sind die Folgen der strengen Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen durch den Lockdown im vergangenen Winter. Dadurch seien im letzten Jahr andere Infektionskrankheiten größtenteils ausgeblieben. Warum dies schlecht ist für das Immunsystem von Kindern erklärt der Mediziner so: „Was uns und unseren Kindern in den vergangenen Monaten erspart geblieben ist, holt uns in diesem Winter ein“, sagt Dr. Wallot. Denn: „Jede Infektion, die unsere Kinder durchmachen, ist eine Art Bodybuilding für das Immunsystem.“ Daher sei es wichtig, dass Kinder diese Infekte durchleben, damit der Körper für neue und spätere Infektionen gerüstet sei.

 

Gerade Säuglinge müssen in diesem Winter besonders geschützt werden. „Die Kinderarztpraxen werden momentan von Kindern mit Beschwerden durch Infektionskrankheiten überrannt“, weiß Dr. Wallot. Besonders gefährlich sei das sogenannte RS-Virus, das vor allem bei Säuglingen schwere Atemwegserkrankungen auslösen kann. „Für Hochrisikopatientinnen und -patienten gibt es eine Impfung gegen das RS-Virus. Ansonsten gilt Vorsicht im Alltag.“ So sollte etwa ein verschnupftes Kindergartenkind nicht direkt auf einen Säugling treffen. „Auch die Hygiene daheim, das Händewaschen und der Umgang mit anderen Säuglingen spielt hierbei eine wichtige Rolle.“