9.1.2009

Bunter Klebestreifen hilft gegen Schmerzen

Das "Kinesio-Taping" ist in Deutschland noch wenig bekannt


Knallblau, rot oder hautfarben: Tapes können im Gesicht angewendet werden (Foto: KBM/Archiv)


Knallrot, leuchtend blau oder hautfarben: Wenn Alan Miller und sein Team von der Physikalischen Therapie am Krankenhaus Bethanien ihren Patienten ein „Tape“ anlegen, dürfen sie sich die Farbe aussuchen. Der eine hat's gern möglichst bunt, die andere lieber so unauffällig wie möglich. Tapes sind eine Art dehnbares Pflaster, das auf die Haut geklebt wird. Bei körperlicher Bewegung sorgt das Tape für eine leichte Gegenbewegung und die wirkt therapeutisch auf verspannte Muskeln, schmerzende Sehnen und Bänder und sogar auf das Lymphsystem.

Das ebenso einfach wie geniale Verfahren, das Fachleute „Kinesio-Taping“ nennen, findet immer häufiger Anwendung in nahezu allen Bereichen der Physiotherapie. Bei Arthrosen und Gelenkinstabilitäten wirkt das Tape und es unterstützt sogar die Therapie von Lymphödemen. Lymphödeme können entstehen, wenn beispielsweise bei einer Krebsoperation viele Lymphknoten entfernt werden müssen. „Durch eine spezielle Anlagetechnik wird unterhalb des Klebebandes der Gewebedruck reduziert und so die Ableitung der Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe gefördert“, sagt Alan Miller, der die Physikalische Therapie im Krankenhaus Bethanien leitet.

Lymphabfluss entlang der geklebten Leitbahn

Bei den wegen Brustkrebs behandelten Patientinnen wird das Verfahren bereits erfolgreich angewendet. „Mit dem Lymphtape haben wir eine zusätzliche Möglichkeit bei der Behandlung von Lymphödemen“, so Miller. „Durch das Anlegen des Klebebandes läuft der Lymphabfluss entlang der geklebten Leitbahn und kann so aus dem Gewebe herausgeführt werden.“ Das Lymphtape sei allerdings kein Ersatz zur Lymphdrainage oder zum Kompressionsverband, sondern eine Ergänzung, sagt der Physiotherapeut. Das Tape bleibt nach dem Anlegen mindestens ein bis zwei Wochen auf der Haut, um eine optimale Wirkung zu erzielen. „Man kann mit dem Tape ohne weiteres unter die Dusche gehen. Nur beim Abtrocknen bitte nicht über das Tape rubbeln – nur abtupfen.“

Das Kinesio-Taping wurde in den siebziger Jahren von dem japanischen Chiropraktiker und Kinesiologen Dr. Kenzo Kase entwickelt und findet seit einiger Zeit auch in Europa und in den USA immer größere Verbreitung. Vor knapp zehn Jahren gelangte die Methode über den Leistungssport nach Deutschland. Heute wird es häufig beim Handball, Fußball und beim Schwimmen eingesetzt. Das Tape wirkt zum einen schmerzlindernd auf den Bewegungsapparat zum anderen hilft es, besonders beanspruchte Gelenke zu unterstützen. „Bei der sogenannten Ligamentanlage unterstützt das Tape die Stabilität der Gelenke.“ Die hautfreundlichen Tapes werden auf jeden Patienten und auf die jeweilige Form der Anlagetechnik zugeschnitten.

Taping lässt sich vielfach anwenden

Um die Technik des „Tapens“ zu erlernen, mussten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Physikalischen Therapie spezielle Weiterbildungen absolvieren. „Dabei geht es vor allem darum, das Prinzip des Tapens zu verstehen. Wenn man das Prinzip begriffen hat, kann man es als erfahrener Physiotherapeut auf viele Bereiche anwenden.“

Miller betont, dass das Kinesio-Taping nicht nur den Patienten des Bethanien-Krankenhauses angeboten wird. „Interessierte können sich direkt an unsere Abteilung wenden. Wir vereinbaren dann einen Termin und besprechen eine mögliche Therapie.“ Eine Überweisung vom Arzt ist dazu nicht nötig. Obwohl die Behandlungsform nachweislich erfolgreich ist und keinerlei Nebenwirkung hat, werden die Kosten von den Krankenkassen derzeit noch nicht übernommen. Deswegen müssen Patientinnen und Patienten sie selbst bezahlen. Ein Tape kostet zwischen 8 und 18 Euro.

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