20.5.2009

Moerser Hausärzte: „Gesundheitspolitik macht krank"

Protestaktion auch auf dem Gelände des Bethanien-Krankenhauses


Protestaktion von Moerser Ärzten in der hausärztlichen Notfallpraxis auf dem Gelände des Bethanien-Krankenhauses (v.l.n.r.): Dr. Martin Höfinghoff, Dr. Günther-Klaus Gollan, Dr. Johanna Wiltberger, der Mediziner Ronald Grüner sowie Dr. Heinrich Grobe und Dr. Claudia Bethscheider (Foto: KBM/Tanja Pickartz)


Wer in dieser Woche zum Arzt muss, brauchte Glück und Geduld. Viele Praxen haben geschlossen, weil nicht wenige Hausärzte die bundesweiten Protestaktionen unter dem Motto "Diese Gesundheitspolitik macht krank" unterstützen. Bei einem Pressegespräch in der hausärztlichen Notfallpraxis auf dem Gelände des Bethanien-Krankenhauses erläuterten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aus Moers und Umgebung am heutigen Dienstag (18.5.) die Hintergründe für die Protestaktionen, an denen sich die meisten Praxen aus der Region beteiligen.

Die niedergelassenen Ärzte sind sauer. Mit einer Vielzahl von Maßnahmen hätten Regierung und Parteien in den letzen Jahren fahrlässig eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung herbeigeführt. In Zukunft werde das Gesundheitswesen noch "viel teurer, aber viel schlechter" werden, heißt es in einem Flugblatt, das die Ärzte bei ihren Protestaktionen verteilen.

Das Zerrbild vom reichen Arzt, der mit einem teuren Porsche durch die Gegend fahre, sei von einflussreichen Akteuren im Gesundheitswesen bewußt in die Welt gesetzt worden, um Patienten über die wahren Arbeitsbedingungen von Hausärzten in die Irre zu führen. "Wir Hausärzte werden systematisch als geldgierig dargestellt." Stattdessen sehe die Situation in Wahrheit viel trostloser aus. "Wir Hausärzte verdienen keine fürstlichen Gehälter. Wir leben doch längst von der Substanz. Viele von uns stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand", sagte Dr. Günther-Klaus Gollan.

Praxen können sich kaum finanzieren

Mancher Arzt am Niederrhein müsse schon jetzt seine eigene Altersvorsorge wie Lebensversicherungen auflösen, um den Praxisbetrieb überhaupt weiter finanzieren zu können. "Wenn ein Ultraschallgerät kaputt geht, benötige ich gut 30.000 Euro für ein neues. Wo soll ich das Geld dafür hernehmen?", fragte Gollan. Wenn sich an der Gesundheitspolitik nichts ändere, würden Praxen bald gezwungen seien, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen oder die Praxis ganz zu schließen.

"Praxisschließungen sind schon heute eher die Regel als die Ausnahme", ergänzte die Meerbecker Ärztin Dr. Johanna Wiltberger. "Vor ein paar Jahren noch gab es in Meerbeck fünf Arztpraxen. Heute sind es nur noch drei. Neue Praxen wurden in den letzten Jahren in Moers fast nur noch von Ärztinnen eröffnet. "Denn die haben noch einem Mann im Haus, der ebenfalls ein Einkommen hat mit dem die Familie durchgebracht werden kann."

Wenn ein Kollege in Rente gehe, finde er für seine Praxis meist keinen Nachfolger. "Die jungen Ärzte gehen nach dem Studium meist ins Ausland, wo die Arbeitsbedingungen weniger schlecht sind als in Deutschland", so Wiltberger. Die Folge davon ist, das Patienten immer weitere Wege zum Arzt in Kauf nehmen müssen. "In den ländlichen Gebieten des Niederrheins sind Anfahrtswege von 30 oder 50 Kilometern keine Seltenheit mehr. Dieser Trend wird sich noch verstärken", sagte Wiltberger.

Hausarzt-System vor dem Ende?

Ihr Kollege Günther-Klaus Gollan befürchtet ein baldiges "Ende der wohnortnahen Versorgung unserer Patienten". Das bewährte Hausarzt-System werde von der Gesundheitspolitik "brutal vor die Wand gefahren". Deswegen wollen die Ärzte mit Ihren Aktionen jetzt auf die "Misere im Gesundheitswesen" aufmerksam machen. "Wenn meine Patienten mich in einigen Jahren fragen, warum unsere Gesundheitssystem so schlecht ist, will ich ihnen zumindest sagen können, das wir Ärzte uns gegen die Absichten der Politik gewehrt haben, so gut es ging."

Die Hausärzte sind sich nicht nur am Niederrhein einig: Derzeit bereiteten Gesundheitspolitiker "den Boden für die Übernahme des Gesundheitswesens durch Großkonzerne und profitorientierte, internationale Aktiengesellschaften" vor. Am Ende sei das Einzelschicksal von Patienten "nichts weiter als eine wirtschaftliche Kalkulationsgröße". Dagegen könnten Patienten durchaus etwas tun, schreiben die Mediziner auf dem Flugblatt. "Haben Sie sich überlegt, welcher Partei Sie in diesem Jahr Ihre Stimme geben werden?"


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