21.7.2011

Chronische Wunden optimal versorgen

Pflegeexperten vom Niederrhein berieten im Moerser Eurotec über bessere Kooperation


Mit einem harmlosen Mückenstich am Fuß der Patientin fing es an. Der Stich juckte, die an Diabetes erkrankte Frau kratzte ihn auf. Damit nahm das Unglück seinen Lauf. Die Wunde entzündete sich und heilte nicht ab, wie bei vielen Menschen mit Diabetes. Die Wunde wurde größer und größer, nach Monaten musste der Frau das Bein amputiert werden. Nicht nur für Patienten, auch für Mediziner, Pflegekräfte und Wundexperten sind solche Verläufe eine wahre Horrorvorstellung. Deswegen haben mit chronischen Wunden befasste Fachleute vom gesamten Niederrhein den Kampf gegen Wunden aufgenommen, die bei oft schwer kranken Menschen einfach nicht heilen wollen. Knapp hundert Pflegekräfte und Ärzte sowie medizinische Fußpfleger und Diabetesberater trafen sich auf Initiative des Moerser Bethanien-Krankenhauses am vergangenen Wochenende im Moerser Eurotec zum inzwischen 3. Symposium Moderne Wundversorgung.

Schlecht oder gar nicht heilende Wunden an den Füßen sorgen gerade bei Diabetikern immer wieder für Probleme, die dramatisch enden können, wie im Fall der älteren Dame mit dem Mückenstich. Schwerpunkt der hochkarätig besetzten Tagung war darum die fachübergreifende und besser vernetzte Behandlung des so genannten diabetischen Fußsyndroms. "Die Behandlung und Pflege chronischer Wunden wie beim diabetischen Fuß erfordert ein interdisziplinäres und professionelles Agieren aller Beteiligten", sagte Hubert Wachs von der Pflegedienstleitung des Bethanien-Krankenhauses. "Kliniken, ambulante Pflegedienste, Hausärzte und Pflegeheime können dieses Ziel durch regionale Netzwerke erreichen", so der Wundexperte.

Denn ob es gelingt, eine chronische Wunde zu heilen, hängt nicht zuletzt von der Zusammenarbeit aller Akteure ab: Medizin, Pflege und andere Professionen wie die Podologen als medizinische Fußpfleger müssen gut aufeinander abgestimmt kooperieren. Allein die Behandlung des diabetischen Fußes zeigt, dass da für die Experten in den nächsten Jahren noch viel zu tun ist. Während Bethanien-Chefarzt Dr. Geier aus der Sicht des Gefäßchirurgen darlegte, wie eine Operation verengter Gefäße die Durchblutung im Bein und damit letztendlich eine Wundheilung in Fuß verbessern kann, offenbarte das Wundsymposium wo es abseits chirurgischen Handwerks derzeit im Gesundheitswesen noch ordentlich hakt: Regelrechte Netzwerke, in denen Krankenhäuser, Hausärzte sowie Pflegedienste und medizinische Fußpflege bei der Wundversorgung eng zusammenarbeiten, sind in Deutschland bislang dünn gesät.

Mit Köln und in Dortmund gibt es indes in Nordrhein-Westfalen inzwischen zwei gut funktionierende Beispiele. Dr. Dirk Hochlenert und Dr. Gerald Engels vom Centrum für integrierte Diabetesversorgung in Köln und Chefarzt Dr. Alexander Risse vom Diabeteszentrum am Klinikum Dortmund zeigten beim Moerser Wundsymposium in ihren Referaten auf, wie solche Netzwerke auch unter angesichts von zunehmendem Kostendruck reibungslos funktionieren können. "Wichtig ist, dass alle Beteiligten im Gesundheitswesen verstehen, dass niemandem etwas an Kompetenz weggenommen werden soll. Das Gegenteil ist der Fall", so der Kölner Mediziner Dr. Hochlenert.

Dass viele Wundexperten in Deutschland die derzeitigen Probleme nicht weiter hinnehmen wollen, stellte Veronika Gerber in ihrem Vortrag dar. Als Vorstandsvorsitzende der bundesweiten Initiative Chronische Wunden (ICW) berichtete sie, dass sich immer mehr Wundexperten in lokalen ICW-Arbeitsgruppen zusammenschließen, um die Situation für die Patienten nachhaltig zu verbessern. Die ICW zertifiziert bundesweit Pflegkräfte, die sich in Deutschland zu Wundexperten oder Wundtherapeuten weiterbilden. Allerdings zeige laut Gerber die Landkarte bei den lokalen ICW-Arbeitsgruppen noch viele weiße Flecken, zum Beispiel am Niederrhein. Hubert Wachs, der selbst nach dem ICW-Standard ausgebildeter „Pflegetherapeut Wunde“ ist, und in Bethanien chronische Wunden aller Patientinnen und Patienten genau im Blick hat, plant deshalb, am Niederrhein einen lokalen Zusammenschluss von Wundversorgern unter dem Dach der ICW zu etablieren. Für das Krankenhaus Bethanien hatte Wachs bereits seit zwei Jahren Wundexperten aus der gesamten der Region zum regelmäßigen fachlichen Austausch eingeladen. In einem weitern Schritt soll dann eine Kooperation mit allen an der Versorgung von chronischen Wunden beteiligten Akteuren geschaffen werden. "Mein Ziel ist, ein Netzwerk nach den Vorbildern Dortmund und Köln für den Niederrhein aufzubauen", so Wachs.


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