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Presseteam

10.8.2011

Immer wieder Kittel bürsten und Hauben stärken

Zum 80. Geburtstag wünschte sich Ingeborg Janaschke „ein Stück Bethanien“ für zu Hause – und bekam es. Am liebsten würde die Moerserin noch heute in der Wäscherei des Krankenhauses arbeiten.


Klappe auf, Wäsche rein und los geht’s. In Gedanken bedient Ingeborg Janaschke manchmal noch die großen Waschmaschinen in der Wäscherei des Bethanien-Krankenhauses. Obwohl die Moerserin schon seit knapp zwanzig Jahren im Ruhestand ist, fühlt sie sich mit Bethanien nach wie vor verbunden. Zu ihrem 80. Geburtstag hatte sie daher einen ganz speziellen Wunsch. Ein „Stück Bethanien“ wollte sie als Erinnerung bei sich zu Hause haben. Ein solches Geschenk brachten ihre ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus der Wäscherei dieser Tage vorbei: Eine Ehrenmedaille aus echtem Silber mit einer Abbildung Bethaniens auf der Vorderseite. Die Medaille wurde aus Feinsilber geprägt, das beim Recycling ausgemusterter Röntgenfilme des Krankenhauses gewonnen wurde. Überreicht wurde das Geschenk dieser Tage von Janaschkes früherem Chef Josef Schüren und der ehemaligen Kollegin Monika Klenner. Die beiden besuchten Ingeborg Janaschke in ihrer Wohnung im Moerser Westen.

Bei Kaffee und Torte kam das Gespräch schnell auf die „waschechte“ Handarbeit wie sie die Rentnerin 34 Jahre lang geleistet hatte. Ihr erster Arbeitstag 1958 fiel Ingeborg Janaschke ein und die tägliche Arbeit. Riesige Mengen von Kitteln, Berge von Bettwäsche und haufenweise Handtücher, die sie unter vollem körperlichen Einsatz immer strahlend sauber bekam. „Ich habe in meinen ersten Jahren noch in Gummistiefeln an der Schleuder gestanden, weil die nasse Wäsche den Boden förmlich geflutet hat“, erinnert sich Janaschke an ihre Anfangszeit, als sie, noch keine dreißig Jahre alt, in den Fünfzigern nach Bethanien kam. „Die gefluteten Böden haben wir nicht mehr erlebt. Wir haben erst später in der Wäscherei angefangen“, sagen Josef Schüren und Monika Klenner beim gemütlichen Plausch im Wohnzimmer.

Den Kontakt zum Krankenhaus knüpfte die gelernte Kauffrau durch einen Zufall. Ihr Mann Hans lag als Patient in Bethanien. “Eine Krankenschwester, die meinen Mann versorgte, verriet mir, dass in der Wäscherei dringend Helferinnen gesucht werden.“ Sie stelle sich vor – und wurde genommen. „Zu Beginn habe ich vierundfünfzig Stunden in der Woche gearbeitet und dabei 247 Mark verdient“, erinnert sich Janaschke. Das ist ein Wochenlohn von umgerechnet etwa 120 Euro. „Als es im Waschkeller noch keine modernen und großen Maschinen gab, war die Arbeit ziemlich anstrengend. Wir haben jedes Wäschestück mit der Hand gebürstet und dann gebügelt“, berichtet Janaschke. „900 Kilo Wäsche pro Tag waren das. Und später, als es größere Maschinen gab, haben wir sogar 3,5 Tonnen Wäsche geschafft“, ergänzt der frühere Wäscheleiter Josef Schüren, der knapp dreißig Mitarbeiterinnen in seinem Team hatte. Inzwischen ist auch er im Ruhestand.

Ingeborg Janschke in den 70er Jahren an ihrem geliebten Arbeitsplatz in der Wäscherei des Bethanien-Krankenhauses.

Bevor moderne Geräte die Handarbeit ersetzten, mussten Ingeborg Janaschke und ihre Kolleginnen die schwere Wäsche mehrmals mit der Hand in die alten Maschinen ein- und auspacken. „Die alte Gegenstromwaschanlage bestand aus sechs einzelnen Maschinen, von denen jede nur einen bestimmten Waschgang übernahm. Eine Taktuhr zeigte die Zeit an. Nach zehn Minuten musste dann die Wäsche von einer Maschine in die Andere gepackt werden“, erinnert sich Josef Schüren. 1974 kam die erste Waschstraße mit leistungsstarken Trocknern und einem Wäschelager. Heute ist auch das längst Geschichte. „Fast alles wird mittlerweile bei einer Großwäscherei gewaschen, die die Wäsche drei mal in der Woche mit einem großen Lastwagen abholt und sauber wieder zurückliefert“, sagt Monika Klenner, die heute noch in der Wäscherei arbeitet und mit ihren Kolleginnen dort nur noch einen bestimmten Teil der Krankenhaus-Wäsche reinigt. „Früher haben wir das noch alles selbst gemacht“, sagt Ingeborg Janaschke nicht ohne Stolz.

Am aufwändigsten sei es gewesen, die damals üblichen Schwesternhauben zu stärken. Nach dem Reinigen stärkten und bügelten die Frauen sie sorgfältig mit der Hand. „Die Hauben hatten verschiedene Formen. Es gab runde Häubchen für Schwesternschülerinnen und dreieckige für die examinierten Schwestern, die speziell auf diese Weise behandelt werden mussten“, erinnern sich Janaschke und Schüren. Trotz der Knochenarbeit konnte sich Schüren als Chef jederzeit auf seine Mitarbeiterinnen verlassen, besonders auf Kollegin Ingeborg Janaschke. „Es war viel Arbeit, aber wir waren ein gutes Team“, sagt er. „Einmal haben wir uns wochenlang um eine kleine Wildkatzenfamilie gekümmert, die sich im Wäschekeller eingenistet hatte“, erinnert sich Janaschke. Eine echte Herausforderung war aber die große Wäschetrommel. „Damit die Trommel gleichmäßig rotierte und nicht wackelte, was einen Höllenlärm verursachte, musste das Gerät gleichmäßig mit Wäsche gepackt werden. Da uns das nicht immer gelang, haben wir uns einfach auf die Maschine gesetzt“, erzählt Janaschke lachend.

Die Medaille aus Feinsilber zeigt das Krankenhaus Bethanien.

Gerne erinnert sie sich auch an die familiäre Atmosphäre in der Wäscherei zurück. „Bei unseren Betriebsfeiern in der alten Nähstube, die über dem Waschkeller lag, wurde sogar getanzt“, sagt sie. „Ich habe Betriebsfeste und den besonderen Zusammenhalt sehr genossen. Am liebsten wäre ich noch mal jung, um in der Wäscherei zu arbeiten“, sagt Janaschke augenzwinkernd. Dass sie nun zum achtzigsten Geburtstag von ihren ehemaligen Teamkollegen tatsächlich „ein Stück Bethanien“ geschenkt bekam, so wie sie es sich gewünscht hatte, erfüllt sie mit besonderer Freude. „Ein schöner Geburtstag mit einem noch schöneren Geschenk“, sagt die Jubilarin gerührt.
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