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2.5.2012

Eine "Lebens-Weste" fürs Herz

Pilotprojekt in der Bethanien-Kardiologie erspart Patienten eine Operation

Lebensretter im Einsatz: Chefarzt Prof. Stefan Möhlenkamp untersucht den herzkranken Moerser Patienten Ulf Maaßen, der in den nächsten Wochen ständig das neue LifeVest-System aus Brustgurt und kleinem Computer am Körper trägt.
Ulf Maaßen hat in den nächsten Wochen einen ständigen und wachsamen Begleiter bei sich: Tag und Nacht trägt der Moerser Patient einen Gurt und ein kleines Gerät am Körper, das rund um die Uhr den Herzschlag kontrolliert - und notfalls einen lebensrettenden Elektroschock abgibt. Der Moerser leidet an einer schweren Herzrhythmusstörung, die jederzeit zu einem Herzstillstand führen könnte. "Früher hätten wir in einem solchen Fall sofort operieren müssen, um einen Defibrillator einzusetzen. Herr Maaßen ist der erste Patient in Moers, bei dem wir auf eine solche Operation verzichten konnten", erklärt Chefarzt Prof. Stefan Möhlenkamp von der Kardiologie des Bethanien-Krankenhauses.

Grund dafür ist eine neue Technik, die sich LifeVest nennt. Wie ein bei einer Operation eingesetzter Defibrillator kann das neue System lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen durch Elektroschocks unterbinden. Einziger Unterschied: Die "Lebens-Weste" funktioniert ohne Operation. Das System besteht aus einem Gurt mit Sensoren für den Oberkörper, an dem ein Mini-Computer angeschlossen ist. Den Computer trägt Herr Maaßen wie eine Umhängetasche bei sich. "Nur beim Duschen nehme ich das ganze System ab", sagt Herr Maaßen. "Dabei darf ich allerdings nicht vergessen, das Gerät auszuschalten. Sonst schlägt eine Sirene Alarm. Das kann sehr laut werden."

Dank der elektronischen Weste konnte Herr Maaßen das Krankenhaus nach zwei Wochen ohne OP-Termin wieder verlassen. "Die LifeVest kommt nur vorübergehend zum Einsatz. Und zwar dann, wenn Patienten aufgrund einer Herzmuskelentzündung oder einer so genannten Kardiomyopathie ernsthaft gefährdet sind, möglicherweise lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zu erleiden", erläutert Prof. Möhlenkamp. "Ohne das neue System hätten wir den Patienten auf keinen Fall nach Hause schicken können."

Der Chefarzt betont, dass die LifeVest nur in ganz bestimmten Fällen zum Einsatz kommen kann. "Es gibt Patienten, bei denen sich die schwere Herzerkrankung nach ein paar Wochen wieder so gut bessern kann, dass diese Menschen nicht dauerhaft einen Defibrillator benötigen", sagt Prof. Möhlenkamp. Solchen Patienten kann das System helfen, die Zeit zu überbrücken, bis das Herz sich erholt hat. "Die Patienten müssen dann nicht im Krankenhaus liegen und es kann auf die Implantation eines Defibrillators verzichtet werden."

Ein weiterer Grund, warum ein solches System bislang nur für ausgewählte Patienten infrage kommt: Die Patienten müssen das Gerät, in dem modernste Technik steckt, selbst bedienen können. Denn der Mini-Computer zeichnet den Herzschlag des Patienten nicht nur auf, sondern übermittelt die Daten drahtlos über Bluetooth täglich auch an eine zentrale Auswertestelle. "So haben wir als behandelnde Ärzte ständigen Zugriff auf möglicherweise vom Patienten daheim nicht gespürte Herzrhythmusstörungen", erläutert der Kardiologe. Für den 54-jährigen Patienten Ulf Maaßen ist das Hightech-System kein Problem, er fühlt sich im Umgang mit dem Gerät sicher. "Man ist gut ausgerüstet mit so einer LifeVest, denn ich könnte ja jederzeit umkippen."

Etwa 400 Lebens-Westen sind derzeit bundesweit in einer klinischen Testphase im Einsatz. "Es müssen weitere klinische Studien abgewartet werden, wie hoch der medizinische Nutzen tatsächlich ist, und welche Patienten für dieses neue System infrage kommen", betont Prof. Möhlenkamp. "Für unseren Patienten war es in jedem Fall die richtige und die beste Wahl." Bei geeigneten Patienten prüfen die Krankenkassen momentan im Einzelfall eine Kostenübernahme der Therapie mit dem neuen Gerät.
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