Mastdarmvorfall (Rectumprolaps)

Was ist ein Mastdarmvorfall?

Von einem Mastdarmvorfall spricht man, wenn sich das oberhalb des Analkanals liegende Darmgewebe in sich einstülpt und im Maximalfall nach außen vor den After vorfällt. Dies kann beim Husten, Niessen, Heben schwerer Lasten, während des Stuhlganges (beim Pressen) oder auch spontan geschehen.

Je nachdem, wie tief und wie lange das Mastdarmgewebe vorfällt, kann man eine Einteilung vornehmen. Bei einem Mastdarmvorfall ersten Grades handelt es sich um eine innere Einstülpung des Darmes. Die Beschwerden sind eher die einer Stuhlentleerungsstörung. Ist die Mastdarmschleimhaut sichtbar, geht jedoch spontan zurück, handelt es sich um einen Vorfall zweiten Grades. Muss die Schleimhaut mit Hilfe der Finger zurückgedrückt werden, besteht ein Vorfall dritten Grades. Ist diese Reposition nicht mehr möglich, die Schleimhaut äußerlich fixiert, kann sie anschwillen und stark schmerzen. In der Folge kann Darmgewebe schlecht durchblutet sein und absterben.
Zu unterscheiden hiervon ist ein sogenannter Analprolaps, wie er bei einem ausgeprägten Hämorrhoidalleiden vorkommt. Hier handelt es sich um Gewebe des Analkanales, welches nach außen vorfällt.

Was sind die Ursachen für einen Mastdarmvorfall?

Neben langem Pressen (z.B. chronische Verstopfung) oder chronischem Durchfall sind v.a. bei Frauen höheren Alters eine Kombination aus stattgehabten Geburtstraumata mit Verletzungen des Schließmuskels, eine Beckenbodenschwäche durch Verlust elastischer Fasern und Ersatz derselben durch kollagenhaltige Strukturen sowie eine Schwächung bandartiger Strukturen, die den Mastdarm im Becken befestigen ursächlich. Auch eine Gebärmutterentfernung destabilisiert das Becken. Zudem ist anatomisch im Bereich des Darmausganges ein größerer Durchmesser zu finden als in den oberen Abschnitten.

Wie sind die Beschwerden eines Mastdarmvorfalles?

Zum einen kommt es durch das vorfallende Gewebe zu einem Druck- und Schwellungsgefühl im Afterbereich, Sitzen kann ein starkes Druckgefühl nach sich ziehen und sehr unangenehm sein. Je nach Ausprägungsgrad des Vorfalles kann das Gewebe teils mit Hilfe der Finger zurück nach innen gedrückt werden. Verbleibt Schleimhaut im Bereich des Analkanales oder außerhalb des Afters, ist die Schließfunktion der Muskulatur gestört, es kommt zu unkontrollierbarem Schleim- oder Stuhlabgang und damit zur Inkontinenz. Sie spüren gegebenenfalls ein Nässen oder Jucken, ein Ekzem kann sich durch die Hautreizung ausbilden. Ebenso kann das außenliegende Schleimhautgewebe durch Reibung bluten, Geschwüre können sich ausbilden. Bei lange bestehendem Mastdarmvorfall kann es zu einer Schließmuskelschwäche kommen durch dauerhafte Überdehnung. Bei Vorhandensein eines inneren, also inkompletten, Vorfalles können sich die Beschwerden in Form von Stuhlentleerungsstörungen zeigen.

Wie stellt man einen Mastdarmvorfall dar?

Zunächst einmal wird die normale proktologische Untersuchung durchgeführt. Nach einem Gespräch über Beschwerden und gezielte Nachfragen wird der Afterbereich angeschaut - in Ruhe sowie während des Pressens. Bei großen Befunden sieht man hier bereits eindeutig den Vorfall. Gegebenenfalls wird eine kleine Spiegelung des Analkanales und des Mastdarmes, sowie eine Messung des Schließmuskeldruckes angeschlossen. Zur Klärung des genauen Stuhlverhaltens wird häufig die Durchführung einer Defäkographie veranlasst. Hier wird die Mechanik des Stuhlgangsprozesses nachvollzogen.

Wie wird ein Mastdarmvorfall behandelt?

Im Stadium III und IV ist eine operative Versorgung notwendig, im Stadium II ist je nach Beschwerdebild ebenfalls eine Operation sinnvoll. Hierzu kommen verschiedene Verfahren von afterwärts oder abdominell (durch den Bauch) in Frage. Je nach Größe des Vorfalles, Beschwerdebild und Zustand des Patienten ist eine passende Behandlung zu besprechen. Begleitende Maßnahmen wie Stuhlregulation, Schließmuskeltraining (Biofeedback), Beckenbodentraining und ggf. Ernährungsumstellung sind in jedem Falle wichtig. Eine ausführliche Aufklärung über die Entstehung von Rezidiven, d.h. dem Wiederauftreten eines Vorfalles, der Demaskierung einer Inkontinenz bei Schließmuskelschwäche, die erst nach Entfernen des vorfallenden Gewebes auffällig wird, sowie der möglichen Notwendigkeit von Folgeoperationen ist ebenso essentiell.
Bethanienstraße 21
47441 Moers
Tel. 02841/200-0

© 2020 Bethanien
Datenschutzerklärung
Impressum



Beauftragter für Medizinproduktesicherheit
Kontakt-E-Mail:
marcus.eidmann@bethanienmoers.de