Vor Kurzem erhielt Dr. Christoph Chylarecki, mehr als zwei Jahrzehnte Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie & Orthopädie und Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Bethanien Moers, das Bundesverdienstkreuz am Bande. Ausgezeichnet für sein herausragendes soziales und ehrenamtliches Engagement, unter anderem im Rahmen seines Einsatzes für kriegsverletzte Kinder aus Krisengebieten, überreichte ihm Landrat Ingo Brohl Anfang März den Verdienstorden im Moerser Rathaus.
Ein großes Herz für Kinder und ihre Gesundheit
„Wie viele Kinder es in den letzten zwanzig Jahren waren, denen wir geholfen haben, kann ich gar nicht genau sagen, aber es waren einige“, erklärt der Moerser Dr. Christoph Chylarecki, der seit 2004 ehrenamtlich für das Friedensdorf International in Oberhausen im Einsatz ist. „Gemeinsam mit dem Lions Club Moers kamen wir auf die Idee, die Kooperation mit dem Friedensdorf, die einige Jahr zuvor für die Behandlung brandverletzter Kinder aus Vietnam entstanden ist, wieder zu beleben.“ Meist seien die Kinder zwischen drei und 14 Jahre alt und oft in einem desolaten Zustand mit teils schweren Erkrankungen gewesen. „In vielen Fällen sind die Kinder schon in ihrer jeweiligen Heimat operiert worden, jedoch meist ohne den erhofften Erfolg, da es an den entsprechenden medizinischen Voraussetzungen fehlte. Hier in Deutschland können wir die Erkrankungen oftmals sehr gut behandeln. Auch, wenn wir Ärztinnen und Ärzte in vielen Situationen ganz von vorne anfangen müssen, weil die Diagnosen und die Bilder, wie Röntgen etc., nicht zusammenpassen“, erklärt der erfahrene Chirurg.
Hauptprobleme, die dann behandelt werden, sind Knochen- und Gelenkserkrankungen, die betroffenen Kinder kommen überwiegend aus Afghanistan und Angola. „Das Schöne ist, dass das Ganze ein sehr dankbarer Job ist. Wenn die Kinder hier mit großen Augen in einem für sie fremden Land ankommen und zum Ende der Behandlung hin gesund oder zumindest gesünder und mit neuer Lebensfreude wieder nach Hause zu ihren Eltern und Familien fliegen können, ist das viel wert.“
Mittlerweile gibt es im Friedensdorf International in Oberhausen einen eigenen OP-Saal. Dort, so hat sich Dr. Chylarecki für das Ende seiner aktiven Laufbahn und den Start in seinen neuen Lebensabschnitt vorgenommen, wird er mit seiner weitreichenden Erfahrung weiterhin helfen. „In Oberhausen operieren bereits andere Kolleginnen und Kollegen. Ich möchte das Spektrum dort erweitern und kleinere Eingriffe vor Ort machen.“ Eine Bitte für die Zukunft hat er in diesem Zuge: „Ich fände es schön und vor allem wichtig, wenn die jahrelange Kooperation fortgesetzt wird. Mit Unterstützung der Spenderinnen und Spender, der Lions und durch meinen Nachfolger Dr. Visinescu und die Oberärztinnen und -ärzte der Klinik.“
Neben der Tätigkeit für das Friedensdorf spielten bei der Ehrung ebenso Dr. Chylareckis Tätigkeit für die Ärztekammer Nordrhein, sein Engagement für den Moerser Schlossparklauf und die Initiierung einer Kooperation mit der Volkshochschule Moers-Kamp-Lintfort eine Rolle. Im Rahmen sogenannter Gesundheitsforen organisierte Chylarecki in Zusammenarbeit mit der VHS und Chefarztkolleg:innen viele medizinische Vorträge.
Besondere Ehre und Würdigung
„Das Bundesverdienstkreuz entgegennehmen zu dürfen, erfüllt mich einerseits mit großer Dankbarkeit. Andererseits auch mit gewisser Demut. Diese besondere Form der Auszeichnung lehrt mich zum wiederholten Male, dass sie nicht als persönliche Würdigung, sondern als Anerkennung all dessen, was wir gemeinsam erreicht haben, zu verstehen ist. Mein Lionsfreund Dieter Nestelm der im Jahr 2004 dazu anregte, „das mit dem Friedensdorf zu machen“, die Lions vom Lions Club Moers, das Krankenhaus Bethanien Moers, insbesondere die Pflege, die Kolleginnen und Kollegen aus Chirurgie und Anästhesie, die in ihrer Freizeit operierten, die Kinderklinik, die Krankenhausleitung zuletzt unter der Führung von Dr. Ralf Engels und unser Stiftungsratsvorsitzender Otfried Kinzel, die das Engagement für das Friedensdorf befürworteten, ermöglichten und mitfinanzierten. Am Ende sind es die Vertreterinnen und Vertreter der Bethanischen Community, die diese Auszeichnung eigentlich verdient haben“, so Dr. Chylarecki. In der heutigen Zeit mit ihren vielfältigen Herausforderungen sei es umso wichtiger, sich füreinander zu engagieren und zusammenzustehen. „Unsere Gesellschaft braucht dringend das persönliche Engagement von uns allen. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, sich einzubringen und so Brücken zu bauen“, fasst der Moerser Mediziner zusammen.