23.7.2008

Lizenz zum Trösten

Seit vierzig Jahren arbeitet Krankenpflegehelferin Doris Borgmann auf der Wochenstation. Wenn Babys schreien und junge Mütter Hilfe brauchen ist sie in ihrem Element




Von Pia Stieler und Kai David Weierstahl


Eine Stunde nach Mitternacht ist Celina geboren worden. Etwas später kam Anica. So steht es auf einer Kreidetafel, die jeden begrüßt, der auf die Bethanien-Wochenstation kommt. „Es ist jeden Tag aufs neue schön zu sehen, gleich zu Dienstbeginn zu erfahren, wen wir als neue Erdenbürgerin oder als neuen Erdenbürger bei uns begrüßen dürfen“, sagt Doris Borgmann, als sie früh morgens um fünf vor sechs an der Tafel vorbeigeht. Seit ziemlich genau vierzig Jahren kommt sie nun jeden Tag ins Krankenhaus Bethanien. Am 1. Juli 1968 hat sie als Krankenpflege¬helferin ihren Dienst im Krankenhaus angetreten. Ein stolzes Dienstjubiläum, das die sechzigjährige allerdings nicht groß zum Thema macht.

Bevor Schwester Doris nach der Dienstübergabe durch die Nachtschicht die erste Mutter im Zimmer aufsucht, informiert sie sich in der Patienten-Dokumentation über die wichtigsten Infos aus der vergangenen Nacht. Begleitet von einer Krankenpflegeschülerin geht sie mit dem Pflegewagen über den Flur, auf dem sich alles befindet, was bei der Arbeit nützlich ist: frische Bettwäsche, Blutdruckmanschetten, Stethoskop. Am frühen Morgen dringt schon energisches Babygeschrei aus etlichen Zimmern - auch aus dem Zimmer, an dessen Tür Schwester Doris als erstes klopft. „Wie geht es Ihnen heute?“, fragt sie die Mutter, als sie das Baby mit ein paar gekonnten Streicheleinheiten beruhigt. „Ich habe immer noch Schmerzen von der Geburt“, klagt die Mutter. Während das Baby ein Fläschchen warme Babymilch bekommt, erhält die Mutter ein Mittel, um die Schmerzen zu lindern. Dann nimmt Schwester Doris das Baby zum Wickeln an sich. Der nach der anstrengenden Geburt noch erschöpften Mutter soll noch etwas Schlaf und Ruhe gegönnt werden.

Gefühl von Geborgenheit und Gemeinsamkeit

Auf dem Weg zum Kinderzimmer mit dem Wickeltisch deutet Doris Borgmann auf den Raum mit dem Frühstücksbuffet. Hier war früher eine unsichtbare Grenze. „Unsere Wochenstation bestand noch bis vor drei Jahren quasi aus zwei Bereichen. Der Station selbst und einem eigens eingerichteten Kinderzimmer.“ Mit der Einführung von „Rooming-in“ und integrativer Wochenpflege seien beide – von jeweils unterschiedlich ausgebildeten Krankenschwestern betreuten – Bereiche zusammengeführt worden. Aber noch mehr hat sich mit der integrativen Wochenpflege verändert. Die Zimmer, in denen sich Babybett an Babybett reihte, gibt es nicht mehr. Heute bleiben die Babys die meiste Zeit über im Zimmer direkt bei der Mutter. Früher durften Väter ihren Nachwuchs durch eine Glasscheibe im Kinderzimmer gerade mal anschauen. „Außer dem Ärzte- und Pflegepersonal durfte hier früher niemand rein. Die Eltern und Verwandte standen vor der Glasscheibe und haben sich ihre Sprösslinge zu bestimmten Besuchszeiten zeigen lassen“, erinnert sich Schwester Doris. Heute dürfen die Väter selbstverständlich mit ins Kinderzimmer hinein und jederzeit ihre Kinder versorgen. Durch das Konzept der Integrativen Wochenstation kann die Familie immer ganz nah beieinander sein und so in den ersten Tagen nach der Geburt ein Gefühl der Geborgenheit und der Gemeinsamkeit erleben.

An der Glastüre zum Kinderzimmer hängen als Danksagungen zahlreiche Babyfotos, die die Eltern an die Schwestern der Station geschickt haben. Die Zahl der herein- und herausgerollten Babybettchen wechselt im Kinderzimmer im Minutentakt. Schwester Doris legt das ihr anvertraute Baby behutsam auf einen der Wickeltische, um es zu waschen. Als das Kind im Bettchen liegt, erzählt sie, wie sehr sich der Pflegeberuf in vierzig Jahre verändert habe. Viele Stellen im Pflegebereich seien heute Teilzeitstellen. Gleichzeitig seien die Anforderungen an den Job gestiegen. Da die Pflegekräfte für viele Tätigkeiten heute weniger Zeit haben, ist die Arbeit ganz anders organisiert als früher: So kümmern sich spezielle Mitarbeiterinnen aus dem nicht-pflegerischen Bereich um den Service rund um die jungen Mütter, holen Zeitungen, melden die Patienten-Fernseher an oder organisieren das Frühstücksbuffet. Für die Schwestern waren diese Arbeiten früher eine enorme zusätzliche Belastung. „Damals haben wir das ja alles selbst gemacht“, sagt Schwester Doris und rückt die belegten Brötchen auf dem Frühstücksbüffet symmetrisch in eine Reihe. Die flinke Krankenpflegehelferin ist nach so vielen Jahren in ihrem Job noch immer so motiviert wie am ersten Tag. Die Kolleginnen auf der Neugeborenenstation wissen den enormen Arbeitseifer der Kollegin zu schätzen.

Das Ärzte- und Pflegeteam hat alle hände voll zu tun

Mittlerweile ist es elf Uhr vormittags. Im Kinderzimmer hat die Visite begonnen. Alle Babys werden von der Kinderärztin untersucht. Schwester Doris steht auch hier wieder hilfreich zur Seite. Reihenweise schieben Mütter ihre Babys zur Untersuchung in das Kinderzimmer, indem es langsam so eng wird wie Samstag an der Kasse vom Supermarkt. Die Krankenschwestern und die Kinderärztin haben alle Hände voll zu tun. Draußen vor der Glasscheibe drängen sich zudem etliche Verwandte. Vierfaches Babyweinen füllt den Raum und eine junge Krankenpflegeschülerin an der Seite von Doris Borgmann weiß kurzzeitig nicht mehr, wohin mit den vielen Babybettchen. „Nur die Ruhe“, sagt Borgmann und schiebt geschäftig ihre Brille auf die Nasenspitze. Schwester Doris hat die Lage wieder mal im Griff.

Im Bethanien habe sie sich in den vielen Jahren immer wohl gefühlt. „Ich habe den Eindruck, die meisten Mütter fühlen sich hier sehr geborgen.“ Nach vierzig Jahren Dienst hat Schwester Doris heute manchmal die Babys ihrer einstigen Neugeborenen zu versorgen, was manchmal lustige Begegnungen mit sich bringe. „Ihren Mann hatte ich als Baby auch schon auf dem Arm“, sagte Doris neulich in ihrer typischen Art zu einer jungen Mutter. „Das machen sie heute aber nicht mehr!“, entgegnete die schlagfertig. Irgendwann, scherzt Schwester Doris, werde sie unterm Titel „40 Jahre im Krankenhaus Bethanien“ vielleicht einmal ihre Memoiren

INFO
Auf der Bethanien-Wochenstation D2 sind 21 Pflegekräfte in Voll- und Teilzeitarbeit tätig. Die Station verfügt insgesamt über 36 Betten in Ein-, Zwei-, oder Dreibettzimmern. Krankenpflegehelferinnen wie Schwester Doris heißen mit offizieller Berufsbezeichnung "Gesundheits- und Krankenpflegehelferinnen". Nach einjähriger Ausbildung arbeiten sie im professionellen Pflegeteam und assistieren den Gesundheits- und Krankenpfleger(inne)n bei deren Aufgaben.

PRESSEFOTOS
Dateiname „Dienstjubiläum 1 + 2“ (Hochformat + Querformat):
Krankenpflegehelferin Doris Borgmann am Wärmebett auf der Bethanien-Wochenstation (Fotos: KBM/Denise Ohms)

Dienstsjubiläum 3:
Unter Anleitung von Schwester Doris misst Krankenpflegeschülerin Claudia Schöneich einer jungen Mutter den Blutdruck (Foto: KBM/Denise Ohms)

Dienstjubiläum 4:
„Nur die Ruhe bewahren!“, sagt Schwester Doris, wenn es mal wieder besonders hektisch wird (Foto: KBM/Denise Ohms)

Dienstjubiläum 5 + 6:
Liebevoll betreut: Babys sind für Schwester Doris Borgmann „einfach das Größte“ (Foto: KBM/Denise Ohms)


Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Krankenhaus Bethanien Moers

Bethanienstraße 21
47441 Moers

Fon 02841 200-2702
Fax 02841 200-2122

Mail presse@bethanienmoers.de
Bethanienstraße 21
47441 Moers
Tel. 02841/200-0

© 2019 Bethanien
Datenschutzerklärung
Impressum



Beauftragter für Medizinproduktesicherheit
Kontakt-E-Mail:
marcus.eidmann@bethanienmoers.de