19.8.2010

Von Kabul nach Moers

Zwei Kriegskinder trafen heute (19.8.) zur Behandlung im Krankenhaus Bethanien ein

Angekommen in der Kinderklinik Bethanien: Mohammad (li.) und Hemat (re.) mit Kinderärztin Dr. Beate Springer (Mitte), der angehenden Kinderkrankenschwester Meryem Öztürk (li.) und Christina Preuß (re.), die in der Kinderklinik derzeit ihr soziales Jahr absolviert. (Foto: KBM/Tanja Pickartz)
Von Kabul nach Moers an einem Tag - das ist schon eine lange Reise. Besonders für kranke Kinder, wie den 5-jährigen Hemat und den 6-jährigen Mohammad aus Afghanistan, die in der Nacht zum Donnerstag im Krankenhaus Bethanien erst mit mehrstündiger Verspätung eintrafen. Die beiden Jungen gehören zu einer Gruppe von 108 kriegsverletzten Kindern, die das Friedensdorf Oberhausen mit einem eigens gecharterten Flieger zur Behandlung nach Deutschland holte."Wir hatten die Landung des Fliegers aus Kabul gegen 18 Uhr am Düsseldorfer Flughafen erwartet", so Bethanien-Pressesprecher Dirk Ruder. Allerdings verzögerte sich der Weiterflug der Maschine beim Zwischenstopp in Armenien. "Die beauftragte tadschikische Fluggesellschaft war noch nie nach Europa geflogen, da haben wie europäischen Behörden wohl besonders genau geprüft, bevor die Erlaubnis zum Weiterflug in die EU erteilt wurde", so Ruder. Um 23 Uhr schließlich landete die Maschine mit den Kriegskindern auf dem Düsseldorfer Airport.

Mehr schlafend als wach und etwas verängstigt von den vielen neuen Eindrücken trafen die beiden Jungs kurz nach Mitternacht in Moers ein. "Wir freuen uns das die Kinder gut hier angekommen sind", sagte Unfallchirurg Dr. Daniel Adzhib, der die Kinder sofort nach der Ankunft einer kurzen körperlichen Untersuchung unterzog. Beide Jungen leiden an Knochenvereiterungen in den Beinen, die nun in Deutschland aufwändig und langwierig behandelt werden. In Afghanistan wäre eine solche Behandlung undenkbar und für die Eltern der Kinder kaum zu bezahlen. "Wir können derzeit nicht sagen, ob es sich bei den Verletzungen tatsächlich um Kriegsverletzungen oder um offene Knochenbrüche handelt, die sich möglicherweise aufgrund der mangelnden medizinischen Versorgung in Afghanistan entzündet haben", erläutert Dr. Adzhib. "Das werden erst genauere Untersuchungen zeigen, die wir in den nächsten Tagen vornehmen."

Kinder müssen wahrscheinlich mehrfach operiert werden

Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen, Computertomographien und Bluttest werden die behandelnden Ärzte der Bethanien-Unfallchirurgie um Chefarzt Dr. Christoph Chylarecki in den kommenden Tagen eine genaue Diagnose stellen. Dann wird sich entscheiden, wie den Kindern am besten geholfen werden kann. Dass beide Jungen jedoch mindestens ein Mal operiert werden müssen, scheint so gut wie sicher. "Hemat, der jüngere der Beiden, hatte bereits in Kabul fünf Vor-Operationen in den vergangenen acht Monaten über sich ergehen lassen müssen. Bei Mohammad hat die seit anderthalb Jahren bestehende Knochenvereiterung zu einer Versteifung des Kniegelenks geführt. Zudem hat er eine am Knie eine offene Wunde. Angesichts solcher Befunde wird es Zeit, dass die Kinder behandelt werden", sagt Pressesprecher Ruder. Ein halbes Jahr oder länger werden die Kinder nun in Deutschland bleiben. "Solche Behandlungen brauchen viel Zeit und die wollen wir den Kindern geben."

Die erste Nacht in der Kinderklinik haben Hemat und Mohammad den Umständen entsprechend gut überstanden. "Beim Aufwachen in der fremden Umgebung gab's natürlich erst einmal ein paar Tränen, aber da haben die Kinderkrankenschwestern ganz schnell und ganz professionell getröstet", berichtet Ruder. "Als ich um zehn Uhr auf die Station kam, hüpften die beiden Knirpse dann schon putzmunter über die Kinder-Station und nahmen den Visitewagen der Ärzte auseinander". Neben dem spielerischen Erkunden der neuen Umgebung steht indes jetzt erst einmal Komplett-Eingewöhnung in Moers auf dem Programm. Mit dem ungewohnten europäischen Essen wird der Verdauungstrakt der afghanischen Kinder recht schnell klar kommen. Alles andere komme nach und nach. "Mit Messen und Gabeln essen, ein Klo benutzen, das sind Dinge, die die Kinder hier erst lernen müssen. Und in ein paar Wochen werden sie sicher anfangen deutsch zu sprechen. Dann wird die Verständigung etwas leichter."

Jedes Jahr nimmt Bethanien etwa vier Kinder aus Kriegsgebieten zur kostenlosen Behandlung auf.
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